ambossIconambossIcon

Benignes Prostatasyndrom

Letzte Aktualisierung: 15.4.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Das benigne Prostatasyndrom (BPS) ist ein Überbegriff für das variable Zusammenspiel zwischen Symptomen des unteren Harntrakts (LUTS), Prostatavergrößerung (BPE) und Blasenauslassobstruktion (BOO bzw. BPO). Symptomatisch kennzeichnend sind Blasenentleerungsstörungen (Miktionsbeschwerden, bspw. verzögerter Miktionsbeginn) sowie Blasenspeicherstörungen (Speicherbeschwerden, bspw. Pollakisurie). In unterschiedlichem Ausprägungsgrad tritt es bei Männern insb. ab 50 Jahren auf.

Die Diagnostik umfasst neben einer Basisdiagnostik (insb. Anamnese mit International Prostate Symptom Score, digital-rektale Untersuchung, Sonografie der Nieren und Harnblase, transrektale Sonografie) eine erweiterte Diagnostik (urodynamische Messungen wie Uroflowmetrie und ggf. Druck-Fluss-Messung) und hat die Aufgabe, eine zielgerichtete Therapie des BPS zu ermöglichen, um die Lebensqualität des Patienten schnell wiederherzustellen und krankheitsbezogenen Komplikationen vorzubeugen.

Therapeutisch kann je nach Leidensdruck neben dem abwartenden Verhalten auch symptomatisch (medikamentös, bspw. mittels α1-Blocker oder Phosphodiesterase-V-Inhibitoren) therapiert werden. Bei sich verschlechternder Symptomatik kommen operative (meist transurethrale) Therapien oder Laserverfahren zum Einsatz (absolute OP-Indikationen bei BPS).

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Definitiontoggle arrow icon

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Epidemiologietoggle arrow icon

  • Häufigste urologische Erkrankung des Mannes in Ländern des Globalen Nordens
  • Prävalenz: 12 Mio. Männer >50 Jahre (Stand 2023) [1][2]
    • Prostatavolumen >25 mL: 26,9% [3]
    • Abgeschwächter Harnstrahl (Qmax <10 mL/s): 17%

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Ätiologietoggle arrow icon

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Pathophysiologietoggle arrow icon

  • Obstruktive und irritative Miktionsstörungen [3]
    • Blasenentleerungsstörung : Volumenzunahme der Prostata → Subvesikale Obstruktion → Erhöhter Miktionswiderstand → Detrusorhypertrophie und erhöhter Miktionsdruck → Kollagenablagerung und Trabekulierung der Harnblase mit möglicher Ausbildung von (Pseudo‑)Divertikeln der Harnblase → Funktioneller Restharn → Dilatation der glatten Muskelfasern des Detrusors → Detrusorinsuffizienz → Weitere Restharnbildung und Vergrößerung und Dekompensation der Harnblase
    • Blasenspeicherstörung : Reizerscheinung der Blase und des Blasenhalses durch Volumenzunahme der Prostata → Inadäquate Blasenentleerung → Schnelleres Erreichen der max. Blasenkapazität → Verstärkter Harndrang und Pollakisurie → Detrusorhypertrophie

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Pathologietoggle arrow icon

Ein Prostatakarzinom kann auch nach der Resektion einer Prostatahyperplasie auftreten, da der Entstehungsort beider Erkrankungen meist in unterschiedlichen Bereichen der Prostata liegt: BPH in der Transitionszone, Prostatakarzinom in der peripheren Zone!

Zum Vergleich: Normalbefunde

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Symptomatiktoggle arrow icon

Folgende Miktionsbeschwerden (LUTS) werden im Rahmen des benignen Prostatasyndroms unterschieden:

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Diagnostiktoggle arrow icon

Basisdiagnostik

Anamnese

  • Allgemeine Anamnese
  • Miktionsanamnese: International Prostate Symptom Score (IPSS)
    • Durchführung: Erfassung des Ausprägungsgrades des benignen Prostatasyndroms und des Einflusses auf die Lebensqualität anhand häufiger Symptome (nicht zur Diagnosestellung!)
    • Interpretation: Entscheidungshilfe für eine Therapieindikation sowie Verlaufs- und Erfolgskontrolle einer Behandlung
      • 1–7 Punkte: Milde Symptomatik → Verlaufsbeobachtung
      • 8–19 Punkte: Mittlere/moderate Symptomatik → Zeitnahe Behandlung
      • 20–35 Punkte: Schwere Symptomatik → Dringender Handlungsbedarf
    • Siehe auch: Link zum Fragebogen unter Tipps & Links

Körperliche Untersuchung [1]

Apparative Diagnostik

Für detaillierte Informationen zu den Grundlagen der apparativen Diagnostik siehe: Apparative Diagnostik in der Urologie

Sonografie [1]

Transrektaler Ultraschall (TRUS)

  • Goldstandard zur Beurteilung der Prostata
  • Beurteilung von
    • Prostatagröße
    • Prostataparenchym (Homogenität)
  • Ausschluss von u.a.

Laboruntersuchung

Eine Verfälschung des PSA-Wertes durch Infekte muss über eine Blut- und Urinuntersuchung ausgeschlossen werden. Rektale Manipulationen (z.B. digital-rektale Untersuchung) sollten vor Abnahme des PSA-Wertes nicht stattgefunden haben!

Weiterführende Diagnostik [1]

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Therapietoggle arrow icon

Allgemein

  • Therapieziel [1]
    • Primär: Rasche Symptomreduktion und Verbesserung der Lebensqualität
    • Langfristig: Hemmung der BPS-Progression
  • Auswahl des Therapieverfahrens: Je nach Leidensdruck (International Prostate Symptom Score), Vorhandensein und Grad der Blasenauslassobstruktion und Progressionsrisiko des BPS [1]
    • Risikofaktoren für eine Progression bei BPS [1]
      • Zunehmendes Alter
      • Ausgeprägte Symptomintensität
      • Volumen(zunahme) der Prostata bzw. (Erhöhung des) Serum-PSA
      • Geringe max. Harnflussrate
      • Hohe Restharnmenge
  • Übersicht der Therapieverfahren
    • Kontrolliertes Abwarten (bei geringem Leidensdruck des Patienten)
    • Medikamentöse Therapie (bei Leidensdruck des Patienten)
    • Operative Therapie (bei Vorliegen von Komplikationen → Absolute OP-Indikationen bei BPS)
Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Konservative Therapietoggle arrow icon

Kontrolliertes Abwarten [1][5]

Medikamente [1]

α1-Blocker

5α-Reduktase-Hemmer (5-ARI) [1][3]

5α-Reduktase-Hemmer führen zu einer Abnahme des PSA-Wertes. Im Rahmen des Prostatakarzinom-Screenings unter 5-ARI-Therapie ist der PSA-Wert nur bedingt aussagekräftig! Eine PSA-Wert-Bestimmung vor Therapiebeginn wird empfohlen.

Phosphodiesterase-V-Inhibitoren (PDE-5-Hemmer) [1]

Eine Kombination von Phosphodiesterase-V-Inhibitoren mit Nitraten und NO-Donatoren würde zu einem starken Blutdruckabfall führen und ist daher unbedingt zu vermeiden!

Antimuskarinika [1]

β3-Adrenozeptor-Agonist [1][5]

Die aktuelle DGU-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Benignen Prostatasyndroms (BPS)“ von 2023 gibt keine Empfehlung mehr für β3-Adrenozeptor-Agonisten, wohingegen die europäische EAU-Leitlinie „Non-Neurogenic Male Lower Urinary Tract Symptoms (LUTS)“ von 2024 eine Empfehlung mit einem „weak strength rating“ für die Indikation „moderate to severe LUTS with mainly bladder storage symptoms“ herausgibt.

Medikamentöse Kombinationstherapien [1][5]

Keine Kombination von α1-Blockern mit anderen Alpharezeptorblockern im Rahmen einer Hypertonietherapie! [8]

Phytotherapie [1]

  • Substanzen: Bspw. Sägepalmenextrakt, Kürbiskerne oder Brennnesselwurzel
  • Indikation: Bei Ablehnung von synthetischen Medikamenten (bei leichter bis mittelschwerer Symptomatik)
  • Kontraindikation: BOO
  • Wirkung: Kurzfristige Symptomlinderung möglich, keinen Einfluss auf Prostatavolumen

Keine allgemeine Empfehlung zur Phytotherapie in der Leitlinie bei bisher mangelnder Evidenz für eindeutige Wirksamkeit! [1]

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Invasive Therapietoggle arrow icon

Operative Therapie [1]

Transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P) [1][5]

Prostataerhaltendes Verfahren [1]

  • Transurethrale Inzision der Prostata (TUIP)
    • Indikation: Junge, sexuell aktive Männer mit kleinem Prostatavolumen (<30 mL)
    • Durchführung: Desobstruktion durch Inzision des Prostatagewebes und des Harnblasenhalses (bei 4 und 8 Uhr)
    • Ergebnis: Geringgradigere Reduktion einer BOO, jedoch retrograde Ejakulation bei lediglich 21%

Transurethrale Laseroperationen [1]

  • Indikation: Bei guter Expertise der operierenden Person unabhängig vom Volumen
  • Verfahren
    • Laserenukleation: Lösen des hyperplastischen Gewebes apexnah, entlang der PseudokapselLuxation in die Harnblase und Zerkleinerung mittels Morcellator (Gewebefragmentierer) → Histologische Untersuchungen des Prostatagewebes
    • Laservaporisation: Einführung der Lasersonde bis vor das zu entfernende Gewebe → Gleichzeitige Verdampfung und Koagulation durch hohe Energiedichte
    • Laserablation: Einführung der Lasersonde in das zu entfernende Gewebe → Induktion lokaler Gewebenekrosen → Symptomlinderung mit zeitlicher Verzögerung
    • Laservaporesektion: Abtragung kleinerer Gewebefragmente und Verödung der Schnittfläche → Histologische Untersuchungen der Gewebefragmente (kein Morcellator notwendig)
  • Holmiumlaser: Schneidender gepulster Laser
    • Verfahren: Insb. Enukleation (HoLEP)
      • Ablation (HoLAP ) möglich (Prostata ≤40 mL) [1]
    • Indikation: Unabhängig vom Prostatavolumen (Alternative zur TUR-P oder offenen Adenomenukleation)
    • Vorteil
      • Unter einfacher Antikoagulation (TAH) durchführbar
      • Kürzere Katheterverweildauer und Hospitalisationszeit sowie geringeres Blutungsrisiko als bei TUR-P und offener Adenomenukleation
    • Siehe auch: TUR-Prostata GeSRU-Operationsvideos
  • Thuliumlaser: Schneidender Dauerstrahlerlaser
    • Verfahren: Insb. Enukleation (TmLEP)
      • Vaporesektion (TmVRP)
    • Indikation: Unabhängig vom Prostatavolumen (Alternative zur TUR-P oder offenen Adenomenukleation)
    • Vorteil
      • Unter einfacher Antikoagulation (TAH) durchführbar
      • Kürzere Katheterverweildauer und Hospitalisierung sowie geringeres Blutungsrisiko als bei TUR-P
  • Greenlight-Laser
    • Verfahren: Vaporisation mittels Kontaktlaser bei 532 nm
    • Indikation: Prostatavolumen von 30–80 mL
    • Vorteil: Unter systemischer OAK und/oder TAH durchführbar, kürzere Katheterverweildauer und Hospitalisierung
    • Nachteil: Reine Vaporisation, keine Gewinnung von Prostatagewebe, längere OP-Dauer

Prostataarterienembolisation [1]

  • Indikation: Patientenwunsch unter Inkaufnahme eines unterlegenen Outcomes gegenüber einer TUR-P (jedoch weniger Komplikationen)
  • Technik: Angiografie mit supraselektiver Embolisation der A. vesicales inferior bds. mittels Mikropartikeln

Offen-operative Verfahren [1][3]

  • Offene Adenomenukleation [1]
    • Indikationen
    • Verfahren
      • Transvesikale Adenomenukleation nach Harris-Hryntschak [3]
        • Unterbauchschnitt in der Mittellinie
        • Vertikale ventrale Zystotomie (bis 1 cm an den Harnblasenhals)
        • Zirkuläre Inzision des Harnblasenhalses (CAVE: Ostien dürfen nicht verletzt werden!)
        • Präparation des Adenoms unter Sicht (Schere oder Elektroskalpell)
        • Blutstillung und Einlage eines 22-CH-Spülkatheters in die Prostataloge plus ggf. suprapubischer Dauerkatheter
        • Zweischichtiger Wundverschluss (Zystotomie), Robinson-Drainage
      • Retropubische Adenomektomie nach Millin [3]
        • Unterbauchschnitt in der Mittellinie
        • Transversaler, retropubischer Schnitt der Prostatakapsel
        • Stumpfe Präparation und Entfernung der Seitenlappen
        • Durchtrennung der Harnblasenhalsschleimhaut sowie Präparation und Entfernung des Mittellappens
        • Blutstillung und Einlage eines 22-CH-Spülkatheters in die Prostataloge
        • Verschluss der Prostatakapsel (wasserdicht)
        • Wundverschluss, Robinson-Drainage
    • Nachsorge: Schrittweise Reduktion der Spülung und des Katheterblocks, frühe Mobilisation, Miktionstraining nach Entfernung des Dauerkatheters

Die operative Versorgung eines benignen Prostatasyndroms schließt eine spätere Prostatakarzinomentwicklung nicht aus, da Gewebereste im Körper verbleiben!

Bei nahezu allen operativen Maßnahmen kommt es nach der OP dauerhaft zur retrograden Ejakulation in die Harnblase im Zuge der anatomischen Veränderung!

Neuere minimal-invasive Therapien

Verfahren

  • Intraprostatische Injektion
    • Indikation: Ältere Patienten mit Komorbiditäten (nur innerhalb von Studien, Off-Label Use) [1]
    • Wirkstoffe: Fexapotide (NX-1207) und Topsalysin (PRX302)
    • Durchführung
  • Dilatative Verfahren [1]
    • Prostata-Harnröhren-Lifting-Verfahren (PUL) : Permanente Kompression der Prostata mittels mehrerer verankerter Nähte
      • Indikation: Prostatavolumen ≤80 mL, normaler Mittellappen, Wunsch nach Ejakulationsschonung
    • Temporär implantierbares Körbchen aus Nitinol : Erzeugung von Drucknekrosen in der Prostata (bei 5, 7 und 12 Uhr) durch Einlage eines Körbchens mit 3 Spangen in die prostatische Harnröhre für 5–7 Tage
  • Ablative Techniken
    • Konvektive Wasserdampfablation : Induktion thermischer Zellnekrosen durch Einbringung von Wasserdampf in die Transitionalzone (über eine Zystoskopie) [1]
      • Indikation: Wunsch nach Ejakulationserhalt
    • Wasserstrahlablation der Prostata : Hydrodissektion von Prostataparenchym durch einen Hochdruckwasserstrahl [1]
      • Indikation: Prostatavolumen 30–80 mL
      • Nachteil: Blutungsrisiko (insb. bei Prostatavolumina >80 mL)
Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Patienteninformationentoggle arrow icon

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Probiere die Testversion aus und erhalte 30 Tage lang unbegrenzten Zugang zu über 1.400 Kapiteln und +17.000 IMPP-Fragen.
disclaimer Evidenzbasierte Inhalte, von festem ärztlichem Redaktionsteam erstellt & geprüft. Disclaimer aufrufen.